Michail Genin

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       April 10-16 2022 Schloss Zell an der Pram
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INTERVIEWS

Süddeutsche Zeitung vom 4. November 2015
Münchner Künstlerhaus Jourfixe-Blog

 

 

 

 



 
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Michail Genin (1927-2003), russischer Aphoristiker, Satiriker und Denker, Preisträger des Humoristen-Preises Das Goldene Kalb, veröffentlichte seine Sprüche seit 1964 in der satirischen Zeitschrift Krokodil, seit 1970 Stammautor der Zeitungen Moskowski Komsomolez und Literaturnaja Gaseta.  

Als Waisenkind ist die Militarmusikschule für Jahre sein Zuhause. Sein Versuch während des Krieges an die Front zu fliehen, scheitert. Nach dem Kriegsende absolviert er die Gnessin-Musikfachschule als Schlagzeuger.  

Plötzlich wendet er sich der Philosophie zu. Weil aber die Beschäftigung mit Philosophie unter Stalin eher einem Zirkus als einer Wissenschaft ähnelt, versteckt er sich vor der kommunistischen Ideologie nach seinem Abschluss gerade dort  – unter Clowns, Akrobaten und Tieren, die er mit dem Schlagzeug begleitet. Genau hier fängt er an humorvolle und philosophische Sprüche zu schreiben und sie in Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen. Jedoch wirklich tiefsinnige und satirische Gedanken  präsentiert er in Konzertauftritten und wird allmählich im ganzen Land, von Brest bis Sibirien, bekannt: Der erste Autor, der so kühn ist, zwei Stunden lang mit kurzen Sprüchen aufzutreten. Er wird nicht nur in vielen Zeitungen und Zeitschriften publiziert, sondern wird zu verschiedenen Radio- und TV-Sendungen eingeladen.     

Anfang der 80er Jahren übersetzt man in der DDR die  „harmlosesten“ von seinen Aphorismen ins Deutsche. 1983 erscheinen seine Sprüche beim Eulenspiegel Verlag in einer Sammlung von Aphorismen aus der Sowjetunion: Die Samowahrheiten. Sein gesamtes Werk  Unewige Gedanken kommt 1993 in Moskau nur als private Veröffentlichung heraus.    

Bei diversen Sammlungen von Weisheiten sind Aphorismen von Michail Genin stets vertreten. In der Anthologie Aphorismen der Weltliteratur (Reclam Bibliothek, 2009) steht sein Name neben denen von Bacon, Pascal, Swift, Lichtenberg, Goethe, Schlegel, Schopenhauer, Twain, Nietzsche, Wilde, Shaw, von Hofmannsthal, Kafka. Viele seiner Sprüche werden so oft zitiert, dass sie als Sprichwörter in die russische Sprache eingegangen sind.    

Lustig und grotesk, oft düster und bitter, immer einleuchtend und lakonisch, stellen Unewige Gedanken ein ungeschminktes Abbild des absurden Daseins in der Sowjetunion dar, des hartnäckigen Widerstands  denkender Menschen gegen die Gehirnwäsche, der Epoche des tiefsinnigen Humors als Überlebensstrategie.  

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Die Vorbereitungen zur Herausgabe eines umfangreichen Buchs über das Leben und Werk von M. Genin (auf Russisch) sind am Laufen. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung!